Seit wann trinken wir unsere Erfrischungsgetränke mit Eis?
2026. 07. 30.
Eis ist eine ebenso wichtige Zutat im Cocktail wie Alkohol oder frisches Obst – dennoch dauerte es Jahrhunderte, bis es zum unverzichtbaren Bestandteil wurde. Im Folgenden zeichnen wir nach, wie das Eis von den antiken Eisgruben bis in die heutigen Cocktailgläser gelangte.
Eis in der Antike: indische, ägyptische und persische Methoden
Einer Quelle zufolge konnten bereits die frühen indischen und ägyptischen Kulturen Eis herstellen. In Persien verbreitete sich parallel dazu der Yakhchal, die Eisgrube: ein zwiebelförmiges Bauwerk, das tief unter die Erde reichte und durch geschickte Luftzirkulation zur Eislagerung genutzt wurde.
Eis in Europa: von den Römern bis an den französischen Hof
Jahrhunderte später bauten wohlhabende Römer und Griechen Häuser, die mit Schnee und Eis gefüllt waren, wobei das Rohmaterial aus den Alpen herangeschafft wurde. Im Italien des 16. Jahrhunderts erlebte die Faszination für Eis eine Wiedergeburt, und bald übernahmen auch die Franzosen diese Vorliebe – dort wurde sie schnell mit Luxus und Extravaganz verbunden. Heinrich III. von Frankreich etwa servierte seinen Gästen oft Eis und Schnee und kühlte damit auch seinen Wein.
Die Wende in der angelsächsischen Trinkkultur
Die eigentliche gemeinsame Geschichte von Eis und gekühlten Getränken – Cocktails eingeschlossen – entfaltete sich im angelsächsischen Kulturkreis. In den frühen Jahren des Commonwealth of England wurden die meisten Getränke warm serviert, da die britische Trinkkultur heiße Getränke bevorzugte. Diese Ansicht hielt sich lange, selbst in den USA, wo die Sommer deutlich heißer sind als auf den britischen Inseln – man ging davon aus, dass ein warmes Getränk zum Schwitzen bringt und der verdunstende Schweiß den Körper kühlt.
Frederic Tudor, der Eiskönig, und die Geburt des Eishandels
Die Wende brachte Mitte des 19. Jahrhunderts Frederic Tudor, der später als Eiskönig bekannt wurde. Der Legende nach kam er nach einem himmlischen Eiscreme-Erlebnis bei einem Picknick auf die Idee, ins Eisgeschäft einzusteigen. Sein erster Versuch scheiterte, da ein Großteil des in die Karibik verschifften Eises unterwegs schmolz. Die Lösung fand er in einer sorgfältigeren Verpackung und Isolierung mit Sägemehl, wodurch das Eis die lange Reise überstand.
Damit war das Problem jedoch noch nicht vollständig gelöst: Er musste auch eine Nachfrage nach Eis schaffen. Hier kamen die Cocktails gerade recht – Tudor begann, sein Eis an wohlhabende Familien und die sie bedienenden Cafés zu verkaufen, und so entstand der eisgekühlte Cocktail, wie wir ihn heute kennen.
Die Verbreitung des eisgekühlten Cocktails und Jerry Thomas' Handbuch
Wer einmal ein kaltes Getränk gekostet hatte, wollte es nicht mehr ohne Eis. Zunächst gewöhnten sich wohlhabendere Kreise daran, und mit dem Wachstum von Tudors Imperium wurde Eis nach und nach vom Luxusgut zur Notwendigkeit – die eisgekühlten Cocktails gaben zudem der Speiseeisindustrie Auftrieb.
Kurz vor Tudors Tod, im Jahr 1862, veröffentlichte der berühmte Barkeeper und Mixologe Jerry Thomas sein Werk The Bartender's Guide, das erste Buch, das amerikanische Cocktailrezepte sammelte. Manche der enthaltenen Getränke wurden mit Frucht zubereitet, manche ohne, manche mit Sirup, Alkohol oder ganz ohne – doch fast allen gemeinsam war eine magische Zutat: das Eis.
Häufige Fragen zur eisigen Geschichte der Cocktails
Wer war Frederic Tudor, der Eiskönig?
Frederic Tudor baute Mitte des 19. Jahrhunderts ein Eishandelsimperium auf: Er löste das Problem des Ferntransports von Eis und schuf anschließend über wohlhabende Kundenkreise sowie über Cafés und Cocktailbars eine Nachfrage nach gekühlten Getränken.
Wann erschien das erste amerikanische Cocktailbuch?
Jerry Thomas veröffentlichte 1862 The Bartender's Guide, die erste Sammlung, die amerikanische Cocktailrezepte systematisch vorstellte – in den meisten davon kam Eis zum Einsatz.
Warum war der Eistransport im 19. Jahrhundert so schwierig?
Bei langen Seereisen schmolz ein Großteil des Eises. Frederic Tudor löste das Problem durch bessere Verpackung und Isolierung mit Sägemehl, wodurch das Schmelzen deutlich reduziert wurde.
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